Corona pusht nachhaltige Geldanlagen

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Grüne Finanzprodukte sind für Anleger aufwendiger. Die Mühe lohnt sich

 

Klimawandel und Coronavirus befeuern nachhaltige Lebensweisen und Konsum. Zwar wollen immer mehr Menschen ressourcenschonender und bewusster leben. Sie kaufen mehr regionale Lebensmittel, setzen auf fair gehandelte Produkte, fliegen weniger und setzen sich für Ressourcenschonung ein. Doch beim Sparverhalten macht sich dies weniger bemerkbar. Nachhaltige Anlagen gelten oft als teuer, riskant oder wenig ertragreich.

 

In Italien haben z.B. nachhaltige Fonds, wie sie von „Assogestioni“ definiert werden, laut Wirtschaftszeitung „Il sole 24 ore“ mit Ende 2019 ein Vermögen von 30,9 Milliarden Euro erreicht. Der Markt besteht aus 221 Finanzprodukten. In Deutschland waren Ende 2019 laut Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) mehr als 269 Milliarden Euro in nachhaltige Anlageprodukte investiert. Der Marktanteil der nachhaltigen Fonds liegt bei gerade mal fünf bis sechs Prozent des Gesamtmarkts.

 

Doch nicht immer landet das Kapital tatsächlich in grünen Anlageprodukten. Ein Gespenst geht um: Das „Green-Washing“. Mit „grünwaschen" ist gemeint, dass vielfach so getan wird, als seien Unternehmen und ihre (Finanz)-Produkte umweltfreundlich und nachhaltig, obwohl das gar nicht der Fall ist. Sie geben sich also ein grünes Image, nur um besser da zu stehen. Anleger werden so in die Irre geführt.

 

Was ist nachhaltige Geldanlage?

Es gibt (noch) keine gesetzlichen Vorgaben zum Begriff nachhaltige Investments. Nachhaltige Geldanlagen ergänzen die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Aspekte. Um ethische Investments, grüne Geldanlagen oder Öko-Fonds zu bewerten, haben sich die sogenannten ESG-Kriterien etabliert. ESG steht dabei für environmental, social, corporate governance, also für Umwelt, Soziales und Grundsätze der Unternehmensführung. Fondsgesellschaften und Banken verfolgen bei nachhaltigen Investments unterschiedliche Anlagestrategien: Entweder werden Bereiche – etwa Waffen, Alkohol, Pornografie, Kinderarbeit, schlechte Arbeits- und Umweltbedingungen, fossile Brennstoffe, Klima- und Wasserbelastung usw. ausgeschlossen (Ausschlussprinzip) oder Unternehmen, die innerhalb der Branchen in ökologischer Hinsicht die höchsten Standards setzen, werden ausgewählt (Best-In-Class-Ansatz). Einen Schritt weiter geht das sogenannte Impact Investing, das auf direkte ökologische und soziale Wirkung der Geldanlage, etwa durch Investition in Entwicklungsländern, abzielt.

 

Welche Produkte gibt es?

Der Markt bietet vieles: von der Beteiligung an der Ernte von Obstbäumen bis zu grünen Staatsanleihen. Infrage kommen auch aktive Spezialfonds oder passive ETF auf nachhaltige Indizes. Sparer können darüber hinaus natürlich selbst Aktien nach den eigenen Standards und Vorlieben wählen. Um zu verstehen, wie die Aktien-Auswahl oder nachhaltiges Investment bei wirklich strengen aktiven Ökofonds aussieht, bietet sich z.B. ein Blick hinter die Kulissen einer Fondsgesellschaft wie Ökoworld mit ihren Ökovision Fonds, von Etica SGR oder von Raiffeisen Ethical Banking.

 

Bieten Gütesiegel Orientierung?

Bei Gütesiegeln, Zertifizierungen und Ratings ist Vorsicht geboten. International etabliert hat sich das Sustainability Rating der Analysefirma Morningstar sowie die Zertifizierungen ISR, LuxFlag, Nordic Swan und FNG.

Für Transparenz will auch die EU sorgen und Anleger mit einem Öko-Siegel für Anlageprodukte unterstützen. Mit dem Eco-Label, welches eng mit der Taxonomie-Verordnung und Green Bond Standard verbunden ist, wird aktuell an dem weltweit ersten Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften gearbeitet.

 

Bringt Nachhaltigkeit weniger Rendite?

Zahlreiche Analysen aus den vergangenen Jahren dazu belegen keinen Renditenachteil, im Gegenteil. Laut Metaanalyse von mehr als 2000 Studienergebnissen, die von der Universität Hamburg, der ESG Investmentorganisation PRI und der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank durchgeführt wurde, besteht in vielen Anlagebereichen die Möglichkeit auf eine höhere Rendite. In 90 Prozent der untersuchten Studien brachten ESG-Investments nicht weniger Rendite als herkömmliche Geldanlagen.

 

Sind ethische Anlagen sicherer?

Generell sind grüne Investments nicht riskanter als alternative Anlageprodukte. Wer sich allerdings gezielt ausschließlich auf streng dunkelgrüne Spezialfonds festlegt, fährt mangels Streuung dann doch einen riskanteren Kurs. So haben Anleger der Solarwirtschaft eine Menge Geld verloren. Unterm Strich ist das Risiko für ökologisches Investment aber genau so groß wie bei nicht-nachhaltigen Produkten.

 

Wie erkennt man gute Produkte?

Wie generell in der Geldanlage gilt auch hier: Mehrere Informationsquellen und unabhängige Beratung sind der Schlüssel zu qualitativ guten und kostengünstigen Produkten. Dem Tipp des Bankberaters also nicht gleich folgen, zumal es in den Filialen wenig Expertise zu nachhaltigen Produkten gibt.

 

FAZIT: Für die Konsumentenschutzverein Robin ist Nachhaltige Geldanlage ein ganzes Stück Arbeit. Das Fehlen einheitlicher Standards erschwert Anlegern die Bewertung von grünen Anlageprodukten. Es beschränkt auch stark das Marktpotenzial grüner Investments. Immer mehr Menschen wollen auch als Anleger und Sparer etwas zum Besseren verändern. Doch wer dies will, muss sich mit den Konzepten verantwortungsvollen Investierens befassen.

06. Okt. 2020