Information und Weiterbildung für Südtiroler Konsumenten

Unberechenbarer Strompreis: Verbraucher zwischen Fix- und PUN-Tarif überfordert

03. Febr. 2026

Robin fordert Transparenzpflicht und soziale Stromautonomie

BildTeurerStrom_2026

Die Analyse von Papernest zur Entwicklung des PUN (der italienische Großhandelsstrompreis des GME, der zentrale Index für variable Stromtarife) in den Jahren 2024 und 2025 unterstreicht die Schwierigkeit, einen vorhersehbaren Trend zu erkennen. Um dann den richtigen Zeitpunkt für eine Preisbindung zu finden sind schon fast hellseherische Fähigkeiten notwendig.


Die Daten von 2025 bestätigen die Unsicherheit: Der Monats-PUN war stark volatil: von knapp 0,094 €/kWh bis 0,150 €/kWh innerhalb eines Jahres (Spannweite ca. +60 %).

„Wenn der PUN innerhalb eines Jahres so stark variiert sind keine verlässlichen Prognosen möglich und es ist realitätsfremd, von Konsumentinnen und Konsumenten strategische Marktentscheidungen zu erwarten“, erklärt Walther Andreaus, Geschäftsführer des Verbraucherschutzvereins Robin.

Fixpreistarife bieten Planungssicherheit, sind aber oft teurer und langfristig bindend. Variable Tarife können günstiger sein, reagieren jedoch unmittelbar auf Preisschwankungen. „Ein Haushalt kann mehrere hundert Euro sparen oder verlieren – allein abhängig vom Anbieter und Tarifmodell, selbst bei identischem Verbrauch“, so Andreaus.

Die Unterschiede zwischen dem früher stärker regulierten Preisniveau und freien Marktpreisen können sehr groß sein: Analysen zeigen zeitweise mehr als 50 % höhere Preise im freien Markt. Europäische Vergleiche weisen zudem darauf hin, dass variable Tarife im Durchschnitt häufig etwas teurer sind als fixe – ein Mittelwert, der keine Garantie für einzelne Anbieter oder Jahre darstellt.

Vor diesem Hintergrund müsse die Südtiroler Stromautonomie neu gedacht werden. „Echte Stromautonomie bedeutet nicht nur lokale Produktion, sondern stabile, transparente und sozial verträgliche Preise für die Bevölkerung“, betont Andreaus.

Scharfe Kritik übt Robin an der Regulierungsbehörde ARERA. Zwar ermöglicht das „Il Portale Offerte“ individuelle Preisberechnungen, doch systematische Ex-post-Auswertungen der realen Preisunterschiede zwischen Anbietern fehlen. „Es ist inakzeptabel, dass keine Rankings oder Marktanalysen veröffentlicht werden, die zeigen, welche Anbieter im Nachhinein günstig oder teuer waren. ARERA ist der wichtigste Datenlieferant, bilanziert die Preisunterschiede aber nicht zeitnah, nach Profilen, systematisch, an prominenter Stelle, saisonsabhängig“, kritisiert Andreaus. Teure Anbieter bleiben damit unsichtbar, günstige werden nicht belohnt.

Robin fordert daher eine gesetzliche Transparenzpflicht: Regulierungsbehörden sollen verpflichtet werden, regelmäßig Ex-post-Vergleiche der realen Strom- und Gaspreise nach Anbietern, Tariftypen und Standardverbrauchsprofilen zu veröffentlichen – inklusive Ranglisten der günstigsten und teuersten Anbieter. „Ohne verpflichtende Transparenz gibt es keinen echten Wettbewerb und keinen wirksamen Verbraucherschutz“, so Andreaus. Eine regionale Aufsicht im Rahmen der Stromautonomie könnte hier eine Vorreiterrolle übernehmen.