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Digitale Identität (SPID) wird kostenpflichtig: Vertrauensbruch gegenüber Bürgerinnen und Bürgern

14. Jan. 2026

Kostenlose Alternative nutzen

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Der Verbraucherschutzverein Robin warnt vor einer schleichenden Kostenbelastung bei der digitalen Identität in Italien. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger beschweren sich darüber, dass der Zugang zu Online-Diensten der öffentlichen Verwaltung, der faktisch verpflichtend geworden ist, nun zunehmend kostenpflichtig wird. Konkret geht es um den sogenannten SPID (Sistema Pubblico di Identità Digitale), das digitale Identitätssystem, das für zahlreiche Behördengänge unerlässlich ist – von der Steuererklärung über Sozialleistungen bis hin zum Zugang zur elektronischen Gesundheitsakte.

SPID wurde als kostenloses Instrument eingeführt, um den digitalen Zugang zur Verwaltung zu vereinfachen. Heute besitzen rund 41 Millionen Menschen in Italien eine solche digitale Identität. Doch dieses Versprechen gerät ins Wanken: Mehrere SPID-Anbieter haben bereits im Herbst 2025 Gebühren eingeführt oder angekündigt. Nun zieht auch Poste Italiane nach – der mit Abstand größte Anbieter, der etwa 30 Millionen SPID-Konten verwaltet.

Seit dem 1. Jänner 2026 ist auf der Website der Poste Italiane offiziell vermerkt, dass für das SPID-Konto ab dem zweiten Nutzungsjahr in der Regel eine Jahresgebühr von 6 Euro fällig wird. Die Zahlung wird bei der Verlängerung der digitalen Identität verlangt. Nutzerinnen und Nutzer werden 30 Tage vor Ablauf per E-Mail informiert. Zwar gibt es Ausnahmen – etwa für Minderjährige, Personen über 75 Jahre, im Ausland Ansässige oder für rein berufliche Nutzung –, für die große Mehrheit der Bevölkerung bedeutet dies jedoch eine neue laufende Belastung.

„Viele Menschen fühlen sich in die Falle getappt“, erklärt Robin-Geschäftsführer Walther Andreaus. „Ein System, das für den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen praktisch unverzichtbar ist, wird nachträglich kostenpflichtig gemacht. Das empfinden viele zu Recht als Vertrauensbruch seitens der öffentlichen Verwaltung.“ Besonders problematisch sei, dass Bürgerinnen und Bürger kaum eine echte Wahl gehabt hätten: Wer digitale Behördendienste nutzen will, kommt an einer digitalen Identität nicht vorbei.

Robin rechnet damit, dass nach Poste Italiane weitere Anbieter nachziehen werden. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das SPID-System langfristig kein kostenloses Angebot mehr bleibt. Umso wichtiger ist es, auf bestehende Alternativen hinzuweisen.

Eine solche Alternative ist die elektronische Identitätskarte (CIE – Carta d’Identità Elettronica). Sie wird vom Staat ausgegeben und ermöglicht über die kostenlose App „CieID“ den Zugang zu denselben Online-Diensten wie SPID – ohne jährliche Zusatzgebühren. Die CIE entspricht den aktuellen EU-Sicherheitsstandards und ist bereits heute ein vollwertiger digitaler Schlüssel für Portale wie INPS/NISF, Agentur der Einnahmen oder die elektronische Gesundheitsakte.

Ab dem 3. August 2026 kommt der CIE eine noch größere Bedeutung zu: Ab diesem Datum verlieren alle papierbasierten italienischen Personalausweise ihre Gültigkeit – unabhängig vom aufgedruckten Ablaufdatum. Wer noch eine alte Papier-Identitätskarte besitzt, sollte daher rechtzeitig bei der eigenen Gemeinde die elektronische Identitätskarte beantragen. Langfristig ist vorgesehen, dass die CIE das SPID-System sogar ersetzt.

„Gerade vor dem Hintergrund der neuen SPID-Gebühren raten wir dringend dazu, auf die elektronische Identitätskarte umzusteigen“, so Andreaus. „Sie ist eine kostenlose Lösung und schützt Verbraucherinnen und Verbraucher vor weiteren Kosten.“

Der Verbraucherschutzverein Robin fordert zudem Transparenz und Fairness bei der digitalen Verwaltung. Der Zugang zu grundlegenden öffentlichen Leistungen dürfe nicht von zusätzlichen Gebühren abhängen. Digitale Identität ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge – und sollte es auch bleiben.