Wohnen und Energie in Bozen im August um 8,8 Prozent teurer – Heizöl +38,2 %, Strom +17,6 %, Gas +12 %. Robin fordert verstärkte Preisbeobachtung und konkrete Maßnahmen des Landes gegen die hohen Lebenshaltungskosten

Die neuesten Zahlen zur Preisentwicklung in Bozen zeigen eine zunehmend problematische Entwicklung: Während die allgemeine Inflation im August 2026 bei 3,6 Prozent lag, verteuerte sich die Abteilung „Wohnen, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe“ gegenüber August 2025 um 8,8 Prozent.
Besonders stark stiegen Heizöl (+38,2 %), Brennholz, Pellets und Briketts (+18,8 %), Strom (+17,6 %) und Gas (+12 %). Auch beim Verkehr gab es deutliche Steigerungen: Diesel +24,3 %, Benzin +14,5 %, Flüssiggas und Methan +8,3 %.
Für Robin zeigen diese Zahlen, dass die durchschnittliche Inflationsrate die tatsächliche Belastung vieler Haushalte nur unvollständig abbildet. Gerade bei Wohnen und Energie können Verbraucher den steigenden Kosten nur begrenzt ausweichen. Umso problematischer ist, dass diese grundlegenden Ausgaben mit 8,8 Prozent fast zweieinhalbmal so stark steigen wie das allgemeine Preisniveau.
Südtirol ist reich – aber nicht alle Haushalte können mithalten
Die aktuellen AFI-Daten zeichnen ein differenziertes Bild. Zwischen 2014 und 2024 stiegen die Lebenshaltungskosten in Südtirol um 27,3 Prozent, die Nominallöhne in der Privatwirtschaft dagegen um 21,5 Prozent. Die Lohnentwicklung konnte den Anstieg der Lebenshaltungskosten damit nicht vollständig ausgleichen.
Laut einer aktuellen AFI-Auswertung auf Grundlage der Haushaltsdaten für 2024 geben die einkommensstärksten 20 Prozent der Südtiroler Haushalte im Durchschnitt 6,7-mal so viel aus wie die einkommensschwächsten 20 Prozent. In der Provinz Trient liegt das Verhältnis bei 4,5, italienweit bei 4,9. Das AFI-Barometer zeigt zudem: 44 Prozent der Südtiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erwarten, in den kommenden zwölf Monaten kein Geld sparen zu können; 25 Prozent haben Schwierigkeiten, mit ihrem Gehalt bis zum Monatsende auszukommen.
Hinter den Durchschnittswerten des reichen Landes Südtirol verbirgt sich damit eine erhebliche Spreizung der finanziellen Möglichkeiten.
Bozen ist nicht ganz Südtirol
Die aktuelle Preisstatistik betrifft die Gemeinde Bozen und kann daher nicht als vollständige Beschreibung der Preisentwicklung im ganzen Land gelten. Gerade bei Wohnkosten, Mieten, Lebensmitteln, Gastronomie, Mobilität und Dienstleistungen kann die Belastung in anderen Gebieten unterschiedlich ausfallen.
Robin fordert deshalb eine systematischere und flächendeckende Beobachtung der tatsächlichen Lebenshaltungskosten in ganz Südtirol. Eine landesweite Erhebung ausgewählter Verbraucherpreise hat es bereits gegeben. Angesichts der Preisentwicklung der vergangenen Jahre braucht es jetzt jedoch eine detailliertere und regelmäßige Erhebung – nicht nur in Bozen, sondern auch in Städten, ländlichen Gebieten und touristisch stark belasteten Regionen.
Robin fordert einen Verbraucherpreis-Monitor für ganz Südtirol
Ein solcher Monitor sollte insbesondere folgende Bereiche beobachten:
• Wohnen und Mieten
• Strom, Gas und Heizenergie
• Lebensmittel
• Treibstoffe und Mobilität
• Wasser- und Abwassergebühren
• kommunale Tarife
• Gastronomie und Dienstleistungen
• Kinderbetreuung und Bildung
• Gesundheits- und Pflegekosten
Ziel ist es, Preisunterschiede sichtbar zu machen, ungewöhnliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und eine belastbare Datenbasis für notwendige Maßnahmen zu schaffen.
Das Land muss mehr tun als beobachten
Für Robin darf die Konsequenz nicht bei mehr Transparenz enden. Wenn die Lebenshaltungskosten über Jahre deutlich schneller steigen als die Einkommen, muss das Land prüfen, welche konkreten Gegenmaßnahmen im Rahmen seiner Zuständigkeiten möglich sind: etwa bei öffentlichen Tarifen und Gebühren, bei der Abfederung unvermeidbarer Haushaltskosten und beim Angebot an leistbarem Wohnraum.
Dabei darf Unterstützung nicht ausschließlich auf Haushalte beschränkt bleiben, die bereits unter klassische Kriterien sozialer Bedürftigkeit fallen. Steigende Lebenshaltungskosten treffen zunehmend auch Haushalte mit mittleren Einkommen, die formal nicht als arm gelten, aber am Monatsende trotzdem weniger übrig haben.
Besonders genau hinschauen bei Energie
Die starken Energiepreissteigerungen verlangen eine genauere Untersuchung. Robin will wissen, wie sie zustande kommen und in welchem Ausmaß sie bei den Endverbrauchern ankommen. Gerade in Südtirol mit seiner starken Wasserkraftproduktion stellt sich zudem die Frage, warum heimische Verbraucher Preisentwicklungen ausgesetzt sind, die nicht unmittelbar mit den lokalen Erzeugungskosten zusammenhängen.
Auch Lebensmittel brauchen einen genaueren Blick
Wenn einzelne Produktgruppen innerhalb eines Jahres um 20, 30 oder sogar fast 60 Prozent steigen, während andere billiger werden, reicht die allgemeine Inflationsrate als Verbraucherinformation nicht aus. Für Familien zählt vor allem, was regelmäßig tatsächlich eingekauft werden muss.
Robin hält deshalb einen regelmäßigen, repräsentativen Südtiroler Warenkorb für sinnvoll, der die tatsächlichen Ausgaben verschiedener Haushaltstypen abbildet.
O-Ton Walther Andreaus, ehrenamtlicher Geschäftsführer von Robin
„Südtirol kann sich nicht damit beruhigen, dass die durchschnittliche Inflation bei 3,6 Prozent liegt. Die entscheidende Frage ist nicht, wie hoch die Durchschnittsinflation ist, sondern was am Monatsende bei den Menschen tatsächlich noch übrig bleibt. Und genau hier zeigt sich, dass Südtirol nicht nur ein Problem der Transparenz, sondern ein Problem der hohen Lebenshaltungskosten hat.“
Andreaus weiter:
„Eine landesweite Erhebung ausgewählter Verbraucherpreise hat es bereits gegeben. Angesichts der Preisentwicklung brauchen wir jetzt aber eine detaillierte und flächendeckende Preisbeobachtung in ganz Südtirol – nicht nur in Bozen. Und daraus müssen konkrete Maßnahmen folgen: bei Tarifen, Gebühren, Wohnen und Energie. Preisbeobachtung darf kein Selbstzweck sein – das Land muss handeln.“
Robin fordert deshalb:
1. Einen landesweiten Südtiroler Verbraucherpreis-Monitor mit regelmäßigen Preisvergleichen in Städten, ländlichen Gebieten und touristisch stark belasteten Regionen.
2. Eine detaillierte Beobachtung der unvermeidbaren Haushaltskosten, insbesondere Wohnen, Energie, Wasser, Mobilität und Lebensmittel.
3. Eine Untersuchung der Ursachen besonders starker Preissteigerungen, statt diese lediglich statistisch festzustellen.
4. Konkrete Maßnahmen des Landes zur Entlastung der Haushalte, insbesondere bei Kosten, auf die das Land oder öffentliche Körperschaften Einfluss haben.
5. Eine Ausweitung der Unterstützung auf die breite Mitte der Bevölkerung, wenn steigende Lebenshaltungskosten auch Haushalte treffen, die nicht unter die klassischen Armuts- oder Bedürftigkeitsgrenzen fallen.
6. Einen regelmäßig veröffentlichten „Südtiroler Warenkorb“, der die tatsächliche Kostenentwicklung verschiedener Haushaltstypen sichtbar macht.
Denn Südtirol ist nicht nur so reich, wie es der Durchschnitt vermuten lässt. Entscheidend ist, was sich die Menschen von ihrem Einkommen tatsächlich noch leisten können.