Information und Weiterbildung für Südtiroler Konsumenten

Bettenstopp auf dem Rücken der Kleinen?

16. Okt. 2026

Pflichtkurse bis 2.430 Euro gefährden Südtirols Gastfreundschaft

Robin warnt vor einer schleichenden Verdrängung kleiner Gastgeber

Wer den Tourismus begrenzen will, darf nicht Privatzimmervermieter und Ferienwohnungsanbieter mit teuren Pflichtausbildungen belasten, während große Strukturen weiterwachsen.

Der Verbraucherschutzverein Robin kritisiert die hohen Kosten und die Ausgestaltung der verpflichtenden Qualifizierung für private Zimmervermieter und Anbieter möblierter Ferienwohnungen in Südtirol. Der Lehrgang „Gastgeben mit Zukunft“ umfasst 80 Stunden und kostet für Tagung und Module 2.430 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Mitglieder der Tourismusorganisationen zahlen 1.940 Euro; zusätzliche Kosten für Vertiefungen und Exkursionen können hinzukommen.

Robin stellt die Weiterbildung nicht grundsätzlich infrage. Doch es braucht Verhältnismäßigkeit, leistbare Angebote und faire Regeln. Der Bettenstopp darf nicht auf dem Rücken der kleinen Gastgeber ausgetragen werden. Es wäre fatal, wenn neue Vorschriften und hohe Kosten gerade jene verdrängen, die Südtirols Tourismus über Generationen mit persönlicher Gastfreundschaft geprägt haben.

Vielfalt statt touristisches Disneyland

Ein nachhaltiger Tourismus braucht unterschiedliche Strukturen: Campingplätze, Wohnmobilstellplätze, Privatzimmer, kleine Pensionen und Ferienwohnungen ebenso wie die Fünf-Sterne-Hotels. Diese Vielfalt ermöglicht unterschiedliche Urlaubsformen, schafft wirtschaftliche Chancen und fördert Begegnungen zwischen Gästen und Einheimischen.

Südtirol darf nicht zu einem touristischen Disneyland werden, in dem standardisierte Angebote dominieren und der Kontakt zum wirklichen Leben im Land verloren geht. Kleine Gastgeber bieten häufig mehr als eine Unterkunft: persönliche Empfehlungen, regionale Kenntnisse und unmittelbare Begegnungen mit Land und Leuten.

Wenn die Politik die Zahl der Gästebetten begrenzen will, muss sie transparent und fair vorgehen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass kleinere Anbieter durch immer neue Auflagen aus dem Markt gedrängt werden, während größere touristische Strukturen ihre Position behaupten oder ausbauen können. Ein Bettenstopp muss Teil einer ausgewogenen Tourismusstrategie sein und darf nicht zum Instrument werden, das die Kleinen benachteiligt.

Weiterbildung ja – aber zu leistbaren Preisen

Der verpflichtende Lehrgang behandelt unter anderem Recht, Betriebswirtschaft, Marketing, Digitalisierung und Gästebetreuung. Diese Kenntnisse können hilfreich sein. Fraglich ist jedoch, ob alle Betroffenen dafür eine derart kostspielige Ausbildung absolvieren müssen – auch Menschen, die seit Jahrzehnten Gäste beherbergen oder einen Familienbetrieb übernehmen.

Dass günstigere Bildungsangebote möglich sind, zeigt die Landesberufsschule für das Gastgewerbe Savoy in Meran. Ihre Nachqualifizierung im Servicebereich umfasst rund 200 Stunden und kostet laut Informationsblatt etwa 800 Euro. Dieser Lehrgang ist allerdings nicht nachweislich als Ersatz für die vorgeschriebene Qualifikation privater Zimmervermieter anerkannt. Die unterschiedlichen Ausbildungsziele sind zu berücksichtigen.

Dennoch sollte das Land gemeinsam mit öffentlichen Berufsschulen und anerkannten Bildungseinrichtungen prüfen, wie vergleichbare, zielgruppengerechte und kostengünstige Angebote geschaffen werden können. Auch die Anerkennung einschlägiger Berufserfahrung und bestehender Qualifikationen verdient eine ernsthafte Prüfung.

Laut dem Informationsschreiben der Gemeinde Kaltern müssen Betroffene, die seit dem 17. August 2022 ihre Tätigkeit aufgenommen oder bestimmte Änderungen vorgenommen haben, den erforderlichen Qualifikationsnachweis grundsätzlich bis zum 20. Juni 2027 erbringen. Andernfalls drohen die Einstellung der Tätigkeit und eine Geldbuße. Bei einer Schließung können zudem die Gästebetten an die Gemeinde zurückfallen. Für betroffene Familien geht es damit nicht um eine nebensächliche Formalität, sondern möglicherweise um ihre wirtschaftliche Existenz.

Overtourismus hat auch ökologische und soziale Kosten

Die Diskussion um Pflichtkurse muss im Zusammenhang mit der grundsätzlichen Entwicklung des Tourismus gesehen werden. Robin weist seit Langem darauf hin, dass touristisches Wachstum Grenzen hat. Die Belastung von Straßen, Wasserressourcen und Abwasseranlagen sowie die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bevölkerung müssen stärker berücksichtigt werden.

Die von Robin thematisierten Investitionen in Kläranlagen zeigen, dass zusätzliche touristische Belastungen erhebliche Infrastrukturkosten verursachen können. Diese Kosten dürfen nicht einfach auf die Allgemeinheit und die Haushalte abgewälzt werden. Wer zusätzliche Belastungen verursacht, muss angemessen zu deren Finanzierung beitragen.

Es wäre widersprüchlich, einerseits über Overtourismus und Bettenbegrenzungen zu diskutieren, andererseits aber kleine, regional verankerte Anbieter durch teure Pflichtausbildungen zusätzlich unter Druck zu setzen. Notwendig sind wirksame Kontrollen gegen illegale Kurzzeitvermietungen, faire Wettbewerbsbedingungen und eine Tourismuspolitik, die ökologische Grenzen respektiert.

Robin fordert faire Regeln und einen Kurswechsel

Der Verbraucherschutzverein fordert die Landesregierung auf,

  • die Verhältnismäßigkeit und die Kosten der Pflichtausbildung zu überprüfen;

  • günstige, öffentlich unterstützte Alternativen über Berufsschulen und anerkannte Bildungseinrichtungen zu schaffen;

  • Berufserfahrung und bereits vorhandene Qualifikationen angemessen anzuerkennen;

  • den Bettenstopp fair auszugestalten, statt kleinere Gastgeber gegenüber großen Strukturen zu benachteiligen;

  • illegale Vermietungen konsequent zu kontrollieren und gleiche Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen;

  • die Umwelt- und Infrastrukturkosten des Tourismus nach dem Verursacherprinzip gerecht zu verteilen.

Robin steht für einen Tourismus, der wirtschaftlich erfolgreich ist und zugleich die Lebensqualität der Bevölkerung, die Natur und die Vielfalt der Gastgeber schützt.

Südtirol braucht keinen Tourismus von der Stange. Es braucht einen Tourismus mit Augenmaß, persönlicher Gastfreundschaft und fairen Chancen – für Gäste, Einheimische und kleine Betriebe gleichermaßen.