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Rekordgewinne der Südtiroler Banken – Verbraucher zahlen doppelt und tragen das Risiko

07. Mai 2026

Robin: „Die Belastung bleibt bei den Kunden, die
Gewinne bei den Banken – und sie zahlen sowohl über
Gebühren als auch über Kreditkosten“

Der Verbraucherschutzverein Robin sieht angesichts der aktuellen Gewinnzahlen der Südtiroler Banken eine deutliche Schieflage zwischen Finanzsektor und
Realwirtschaft. Während die Institute hohe Gewinne erwirtschaften, bleibt die
finanzielle Belastung für viele Haushalte und Betriebe spürbar.


Hohe Gewinne – gebundene Mittel für die Region
Die großen Banken im Land haben auch im Geschäftsjahr 2025 außergewöhnlich
gut verdient: Die Südtiroler Volksbank weist einen Gewinn von 131 Millionen Euro
aus, die Südtiroler Sparkasse 87,5 Millionen Euro.
Das Raiffeisen-System Südtirol erzielte zuletzt ein Gesamtergebnis von rund 232
Millionen Euro und dürfte für 2025 zumindest stabil die Zahlen halten, wenn nicht
sogar ausbauen.
Damit erreicht das Bankensystem insgesamt eine Gewinndimension von deutlich
über 400 Millionen Euro jährlich. Aus Sicht von Robin handelt es sich dabei nicht nur um betriebswirtschaftliche Erfolge, sondern auch um Mittel, die der regionalen Wirtschaft und den privaten Haushalten entzogen werden – daran ändern auch gelegentliche Beiträge oder Sponsorings der Banken für Sport, Kultur oder soziale Initiativen nichts.


Ein System zulasten der Kunden
Die Erträge der Banken entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie werden maßgeblich von den eigenen Kunden getragen – über Gebühren, Provisionen und die Kosten von Finanzprodukten ebenso wie über die Zinsbelastung bei Krediten. Die Verbraucher tragen somit doppelte Kosten: direkte und indirekte. Auch wenn sich das Zinsniveau seit 2025 etwas stabilisiert hat, bleibt die finanzielle Belastung für viele Kreditnehmer.
Gerade die Phase steigender Zinsen wirkt noch nach. Viele Haushalte und Betriebe tragen heute Finanzierungen, die unter deutlich ungünstigeren Bedingungen abgeschlossen oder angepasst wurden. Besonders variabel verzinste Kredite haben diese Entwicklung direkt weitergegeben und damit das Risiko weitgehend auf die Kunden verlagert.


Ökonomisch fragwürdige Entwicklung
Aus Sicht moderner Ökonomie wirft diese Entwicklung grundsätzliche Fragen auf. Der Finanzsektor hat eine dienende Funktion für die Realwirtschaft. Wenn jedoch Banken überproportional hohe Gewinne, ja Übergewinne erzielen, während
gleichzeitig die Finanzierungskosten für Unternehmen und Haushalte hoch sind,
deutet das auf ein strukturelles Ungleichgewicht hin.
Wertschöpfung sollte primär dort entstehen, wo reale Güter und Dienstleistungen
produziert werden – nicht in einem Sektor, der vergleichsweise geringe Risiken trägt und dennoch hohe Erträge erzielt.


Kosten bleiben oft im Verborgenen
Ein wesentlicher Teil der Belastung bleibt für viele Verbraucher unsichtbar. Zwar sind Banken verpflichtet, detaillierte Kostenberichte bereitzustellen – doch diese
Informationen sind häufig schwer zugänglich und für viele Kunden kaum verständlich aufbereitet.
„Banken neigen dazu, genau diese Informationen möglichst unauffällig zu
behandeln“, erklärt Walther Andreaus, der Geschäftsführer von Robin. „Die
entscheidenden Kostenberichte verschwinden oft in umfangreichen Mitteilungen oder im Online-Bereich. Ich kann nur empfehlen, die mindestens einmal jährlich im Nachhinein (meist im Januar für das Vorjahr) kostenfrei zur Verfügung
gestellten Entgeltaufstellungen (Statements of Fees) für Finanzdienstleistungen genau anzuschauen. Sie schlüsseln retroaktiv die tatsächlichen Gesamtkosten und alle angefallenen Einzelgebühren im abgelaufenen Jahr auf.
Die Dokumente nutzen ein EU-weit vereinheitlichtes Symbol und Layout, damit Verbraucher Preise von Finanzdienstleistungen auf einen Blick vergleichen können.“


Was Verbraucher und Betriebe jetzt tun können
Für Robin ist klar: Die Situation ist nicht nur eine Frage der Banken, sondern auch
des Verhaltens der Kunden. Wer bestehende Konditionen einfach hinnimmt,
verzichtet oft auf erhebliche Einsparpotenziale.
Gerade in einem Umfeld hoher Bankgewinne lohnt es sich, Angebote aktiv zu
vergleichen und Konditionen zu hinterfragen. Viele Kosten – ob bei Konten, Krediten oder Veranlagungen – sind verhandelbar oder durch einen Anbieterwechsel reduzierbar. Dennoch zeigt die Praxis, dass ein großer Teil der Kunden über Jahre hinweg bei denselben Bedingungen bleibt.
Damit fehlt ein zentraler Mechanismus: Wettbewerb. Erst wenn Kunden bereit sind zu wechseln oder aktiv zu verhandeln, entsteht für Banken ein echter Anreiz, bessere Konditionen anzubieten.
Robin spricht in diesem Zusammenhang vom „Rucksack-Effekt“: Kosten, die heute akzeptiert werden, wirken langfristig weiter und summieren sich über Jahre hinweg zu erheblichen Beträgen. Umso wichtiger ist es, frühzeitig gegenzusteuern.


Fazit: Mehr Bewegung im System notwendig
Die aktuellen Gewinnzahlen zeigen, dass der Bankensektor in Südtirol sehr gut
verdient. Gleichzeitig bleibt die Belastung für viele Haushalte und Betriebe spürbar.
Für den Verbraucherschutzverein Robin steht daher fest: Ein funktionierender
Wettbewerb, mehr Transparenz und ein aktiveres Verhalten der Kunden sind
entscheidend, um die Balance zwischen Banken, Verbrauchern und Realwirtschaft wieder herzustellen.